Agnes
Muthspiel
1966, also vor 40 Jahren, starb am
3. Mai Agnes Muthspiel. Eine Gedenktafel auf dem Wohnhaus
am Mönchsberg 9 erinnert
an sie. „Atelierwohnung der bedeutenden Vertreterin
der Salzburger Nachkriegsmalerei und Treffpunkt eines KünstlerInnenkreises“.
Hin und wieder ein in einer Galerieausstellung
gezeigtes Bild, eine, wie man heute sagen würde, naive Darstellung
einer Landschaft, Stadtansicht oder von Blumen, reiht sie
ein unter die nennenswerten Künstlerinnen Salzburgs,
wo sie auch 1914 geboren wurde.
Agnes Muthspiel war aber viel mehr, sie
war ein Begriff für
den Ort einer zentralen Begegnung – und die Namen derer,
die sich in der einfachen Wohnung auf dem Mönchsberg
trafen, liest sich wie ein „Who is who“ der
Salzburger Kulturgeschichte der Nachkriegszeit, wo man
das Wenige, das
man hatte, noch zu teilen verstand und man anspruchsvoll
Anspruchslos war.
Viele suchten dort einen Neuanfang, manche
eine Heimat, andere wieder eine Wirkungsstätte. Jeder ein Einzelgänger
auf der Suche nach einem Echo in irgendeiner Form – nur
nicht in der, die er soeben hinter sich gelassen hatte.
Zu diesem Kreis gehörten Bildhauer, wie Schneider-Manzell,
Komponisten, wie Gottfried von Einem und Carl Orff, Dichter,
wie Werner Bergengruen, Gerhard Amanshauser, aber auch
Bert Brecht, der einfach von jemandem mitgenommen wurde.
Der Wiener Priester und Kunstfreund Otto
Mauer oder der Theatermann Caspar Neher waren ebenso Besucher
ihres „Salons“ wie
Künstler aus ihrem näheren und weiteren persönlichen
Umfeld: Herbert Breiter, Max Peiffer Watenphul, Eduard Bäumer,
Kurt Moldovan, Paul Flora und so manche Salzburger Künstlerinnen
und Künstler wie Rudolf Hradil, Trude Engelsberger,
Irma Toledo oder andere, die damals sich auch zu einer Gruppe
der Naiven Malerei zusammengeschlossen hatten, welche aber
sehr weit davon entfernt war von dem was man später
in diesem Begriff vereinigte..
Agnes Muthspiel war auf ihre Art eine Institution,
an die man sich wenden konnte, eine Zentralstelle im Zweifel,
und ein wichtiger Ort der Begegnung fließender Generationen,
zu dem man finden musste.
Die Ausstellung in der Galerie Welz zeigt Ölbilder,
Aquarelle, Zeichnungen und Druckgraphiken von Agnes Muthspiel,
Herbert Breiter, Kurt Moldovan, Paul Flora, Eduard Bäumer,
Max Peiffer Watenphul, Trude Engelsberger und Rudolf Hradil.