|
Cora Pongracz bildet Menschen - Frauen, Freunde, Unbekannte - in
deren kollektivem Feld ab und baut somit, paradox, Felder des Individuellen
auf. Felder, die jene Porträtierten genauso betreffen wie ihre
Betrachter. Die Abgebildeten setzen sich mit herbeigeholten Gegenständen
aus diesem Feld in Szene und bringen damit den sie kennzeichnenden
Habitus (Bourdieu) ins Spiel. Ins Spiel bringen heißt, diesen
Habitus aufzuzeigen und zu verändern - im Auge des Betrachter,
das zuallererst das Auge der Fotografin ist.
Ferdinand Schmatz
Jenseits der Pose posiert. - Zu den fotografischen Porträts
von Cora Pongracz
Die feministische Künstlerfotografie hat in den 70er und frühen
80er Jahren auch in Österreich eine große Produktivität
erlebt, die nicht nur auf die Körpersprache oder die Dokumentation
von feministischen Aktionen (Export, Pezold, ...) beschränkt
blieb, sondern auch Formen der Selbstdarstellung und der konzeptuellen
Fotografie aufgreift und untereinander verbindet (Kubelka-Bondy,
Pongracz, ...). Die Methode der Bildreihe, wo erst durch die Gesamtheit
der Fotografien der signifikante Zusammenhang entsteht, erfährt
in einem ausgereiften Projekt der feministischen Fotografie, - in
den "8 Erweiterten Portraits - Frauen in Wien" 1974 -
v. Cora Pongracz ihre Anwendung, wo ganz bewußt die Einsicht,
daß es nicht ein gültiges Bild einer Person gibt, daß
erst die Facetten, viele gleichbedeutende Bildteile, eine komplettes
Bild ergeben, umgesetzt wird. Cora Pongracz läßt die
darzustellenden Personen sich selbst inszenieren, bevor sie diese
fotografiert. Sie sagt dem Einzelbild ab, zugunsten von Bildgeschichten,
Bildreihen. Ihre Erweiterung des Einzelbildes ist also nicht nur
eine formale, die der Zeitstruktur, sondern auch eine assoziative,
inszenatorische. Was Cora Pongracz´ Fotografie auszeichnet,
ist die Aufsplitterung der Beziehungen des Objektes zum Bild und
eine Verweigerung der einfachen, identifizierenden fotografischen
Abbildung und Interpretation, wodurch iene reiche Associativität
und Aussagerkraft entsteht, die charakteristisch ist für diese
Frauenportraits.
Je mehr konzeptuelle Verfahren wie Ausschnitt, Wiederholung, Blickwinkel,
Standort in ihren Fotoserien benutzt werden, umso deutlicher tritt
die Eigentümlichkeit ihres Blickes, die man als weibliche Diffraktion
bezeichnen kann, zutage. (siehe Portrait Suzanne Widl und Serie
"Verwechslungen"). Durch die Kombination von Bildreihen
und objektualen Inszenierungen ist Cora Pongracz´ Werk nicht
nur für die feministische Künstler-Fotografie in Österreich,
sondern auch für spätere Schulen von fotografischen Bilddichtungen,
die sich von direkten Personen-Portraits abgewendet haben, von zentraler
Bedeutung.
|

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung
Verleihung des österreichischen Würdigungspreises für
künstlerische Fotografie 2000
an CORA PONGRACZ
und Buchpräsentation
CORA PONGRACZ . Fotografie
|