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Mit Ruth Schnell präsentiert die Galerie Grita Insam eine der profiliertesten
Medienkünstlerinnen des Landes. Schnell untersucht seit Mitte der 1980er Jahre Schnittstellen
zwischen Realraum und Cyberspace, realer und simulierter Zeit und befasst sich mit Phänomenen
der Wahrnehmung.
Die Ausstellung “Beyond the Screen 2006 – All Targets Defined“ präsentiert eine neue, für die
Ausstellung entstandene Gruppe von Arbeiten aus der Werkserie „Lichtbilder“ sowie eine bewegte
Projektion, deren thematische Klammer die Auseinandersetzung mit den Technologien und der
Rezeption der modernen Kriegsführung ist. Die Technologien und Bilder des wirklichen Krieges
unterscheiden sich kaum von den War Games für den Heim-PC. Die modernen Mittel der
Berichterstattung liefern so viele Bilder von der Front wie nie zuvor, entrücken andererseits aber daseale Geschehen durch die medialen, künstlichen Bilder durch die Optiken der Zielfernrohre und
Nachtsichtgeräte in eine von der Realität abgehobene Virtualität.
Die seit 2003 entstehende Werkreihe „Lichtbilder“ nimmt die Trägheit der visuellen
Wahrnehmung als Basis für eine Verknüpfung von realem Umraum und einem dynamischen,
virtuellen Zeichenraum. Die in die Bildträger integrierten LED-Leuchtstäbe senden hochfrequente
Impulse aus und eröffnen durch den so genannten „Nachzieheffekt“ in Netzhaut und Gehirn der
betrachtenden Person Überraschendes: Durch den ungewohnten, nicht fokussierende Blickmodus
nimmt sie Wörter wahr, die hologrammartig vor der Bildfläche im Raum stehen.
Die aktuellen Arbeiten sind als Diptycha konzipiert. Während jeweils die linken Tafeln grob
gerasterte Motive von über die Medien vermittelten Kriegsbilder aus verschiedenen
Kamerastandpunkten zeigen, birgt die zweite Tafel einen LED-Stab mit Begriffen, Zahlen, Daten und
Fakten aus der Welt der Militärstrategen, Kriegstechnologen und der von Energieinteressen
bestimmten Weltpolitik. Die Farbe des modernen Krieges ist nicht blutig rot, sondern kommt im
grünlichen Ton der Bilder der Nachtsichtgeräte ins Haus. Schnell zeigt uns die Momente vor dem
finalen Schlag.
Bei der bewegten Projektion „Territorism“ im zweiten Teil der Ausstellung handelt es sich um
eine Neukonzeption einer 2002 im öffentlichen Raum (Kunsthaus Bregenz) realisierten Arbeit. Die
den Panzer über die Oberflächen des Galerieraums führende Hand zeigt den Menschen als letzt
verantwortlichen Kriegsakteur und Machthaber.
Ruth Schnell, 1956 in Feldkirch geboren, lebt und arbeitet in Wien und lehrt seit 1987 Digitale Medien
an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Ausstellungen (Auswahl): "Im Netz der Systeme" (Ars Electronica 1989); 44. Biennale von Venedig – Aperto (1990), 46. Biennale von Venedig,Österreichischer Pavillon (1995); Territorism - Kunsthaus Bregenz (2002); California Science Center,
Los Angeles (2004); Akademie der Künste, Berlin (2005); Lichtkunst aus Kunstlicht, ZKM Karlsruhe
(2005/2006); “In the Line of Flight”, Second Beijing International New Media Arts Exhibition (2005);“Postmediale Kondition”, Neue Galerie Graz und Centro Cultural Conde Duque, Madrid
(2005/2006), u.v.m
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