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Ruth Schnell

Beyond the Screen 2006


 GALERIE Grita Insam
 24.03. - 24.05.2006

 

Vernissage: am Donnerstag, dem 23. März 2006, um 19:00 Uhr



Mit Ruth Schnell präsentiert die Galerie Grita Insam eine der profiliertesten Medienkünstlerinnen des Landes. Schnell untersucht seit Mitte der 1980er Jahre Schnittstellen zwischen Realraum und Cyberspace, realer und simulierter Zeit und befasst sich mit Phänomenen der Wahrnehmung.
Die Ausstellung “Beyond the Screen 2006 – All Targets Defined“ präsentiert eine neue, für die Ausstellung entstandene Gruppe von Arbeiten aus der Werkserie „Lichtbilder“ sowie eine bewegte Projektion, deren thematische Klammer die Auseinandersetzung mit den Technologien und der Rezeption der modernen Kriegsführung ist. Die Technologien und Bilder des wirklichen Krieges unterscheiden sich kaum von den War Games für den Heim-PC. Die modernen Mittel der Berichterstattung liefern so viele Bilder von der Front wie nie zuvor, entrücken andererseits aber daseale Geschehen durch die medialen, künstlichen Bilder durch die Optiken der Zielfernrohre und Nachtsichtgeräte in eine von der Realität abgehobene Virtualität.
Die seit 2003 entstehende Werkreihe „Lichtbilder“ nimmt die Trägheit der visuellen Wahrnehmung als Basis für eine Verknüpfung von realem Umraum und einem dynamischen, virtuellen Zeichenraum. Die in die Bildträger integrierten LED-Leuchtstäbe senden hochfrequente Impulse aus und eröffnen durch den so genannten „Nachzieheffekt“ in Netzhaut und Gehirn der betrachtenden Person Überraschendes: Durch den ungewohnten, nicht fokussierende Blickmodus nimmt sie Wörter wahr, die hologrammartig vor der Bildfläche im Raum stehen. Die aktuellen Arbeiten sind als Diptycha konzipiert. Während jeweils die linken Tafeln grob gerasterte Motive von über die Medien vermittelten Kriegsbilder aus verschiedenen Kamerastandpunkten zeigen, birgt die zweite Tafel einen LED-Stab mit Begriffen, Zahlen, Daten und Fakten aus der Welt der Militärstrategen, Kriegstechnologen und der von Energieinteressen bestimmten Weltpolitik. Die Farbe des modernen Krieges ist nicht blutig rot, sondern kommt im grünlichen Ton der Bilder der Nachtsichtgeräte ins Haus. Schnell zeigt uns die Momente vor dem finalen Schlag.
Bei der bewegten Projektion „Territorism“ im zweiten Teil der Ausstellung handelt es sich um eine Neukonzeption einer 2002 im öffentlichen Raum (Kunsthaus Bregenz) realisierten Arbeit. Die den Panzer über die Oberflächen des Galerieraums führende Hand zeigt den Menschen als letzt verantwortlichen Kriegsakteur und Machthaber.

Ruth Schnell, 1956 in Feldkirch geboren, lebt und arbeitet in Wien und lehrt seit 1987 Digitale Medien an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Ausstellungen (Auswahl): "Im Netz der Systeme" (Ars Electronica 1989); 44. Biennale von Venedig – Aperto (1990), 46. Biennale von Venedig,Österreichischer Pavillon (1995); Territorism - Kunsthaus Bregenz (2002); California Science Center, Los Angeles (2004); Akademie der Künste, Berlin (2005); Lichtkunst aus Kunstlicht, ZKM Karlsruhe (2005/2006); “In the Line of Flight”, Second Beijing International New Media Arts Exhibition (2005);“Postmediale Kondition”, Neue Galerie Graz und Centro Cultural Conde Duque, Madrid (2005/2006), u.v.m