Eröffnung durch Dr. Christoph Mader, Amt der Tiroler Landesregierung,
Abteilung Kultur
Zur Ausstellung spricht Dr. Silvia Eiblmayr
Im Mittelpunkt der Foto-, Text- und Videoinstallationen von Laura
Horelli stehen kommunikative Beziehungsformen in öffentlichen,
medialen und psychischen Räumen. Häufig verknüpft
die Künstlerin dabei dokumentarisches Material mit eigenen
Bildern und Informationen.
In ihrer Foto- und Videoinstallation "You Go Where You're
Sent" (2003) skizziert sie wichtige Stationen aus dem Leben
ihrer 1916 geborenen Großmutter. Diese erzählt von ihren
Erfahrungen als Ehefrau eines Diplomaten und zugleich als berufstätige Ärztin.
Horelli verwendet als Ausgangsmaterial schwarzweiße und farbige
Dokumentarfotografien sowie Ausschnitte aus einem Gespräch
zwischen der Künstlerin und ihrer Großmutter. "You
Go Where You’re Sent" zeichnet das historisch interessante
Porträt einer Frau, die ein Leben an der Schnittstelle zwischen Öffentlichkeit
und Privatheit führte und die verschiedenen Rollenzuschreibungen
und -erwartungen an sie in Einklang zu bringen suchte.
Laura Horelli zeigt in der Galerie im Taxispalais weiters unter
dem Titel "Rekonfiguration von Der Standard/04.06.04" eine
aktualisierte Version ihrer Arbeit "Reconfiguration of the
International Herald Tribune/03.06.00" von 2000, die sich
dem Thema öffentlich / privat aus nochmals anderer Perspektive
nähert. Für diese Arbeit wird Horelli an vier Tagen um
den Eröffnungstermin herum Artikel und Abbildungen aus der
Tageszeitung Der Standard ausschneiden, die sie persönlich
für wichtig hält.
Aus diesem Material collagiert sie vier neue, subjektive "Zeitungsausgaben",
die sie den originalen gegenüberstellt.
Diese Konfrontation von medial vermittelten Informationen mit
einer sehr persönlichen Sichtweise variiert Horelli zudem in einem
Video, das Teil der Installation ist: Das Video zeigt die komplette
Tagesschau der ARD vom 4. Juni 2004, wobei der Ton weggelassen
wird. An dessen Stelle hört man voice over Texte, die von
drei Frauen gesprochen werden. Eine Schülerin sowie eine circa
30-jährige und 50-jährige Frau erzählen von ihrem
Tagesablauf, von Ereignissen, die sie an diesem Tag erlebt haben
und die für sie wichtig waren. Diese Frauen leben, wie die
Künstlerin selbst, in Berlin und sprechen ebenfalls Deutsch
als zweite oder dritte Sprache.
In der großen Halle im Untergeschoss schließlich präsentiert
Horelli ein neues Projekt, das sich mit den städteplanerischen
Veränderungen einer alten Industriegegend in Berlin beschäftigt,
die sich in den vergangenen Jahren zum Standort etlicher Film-
und Fernsehstudios und Produktionsfirmen wie Universal Studios
und MTV entwickelt hat. Die Ergebnisse ihrer Recherchen verdichtet
sie in einer Installation aus Dokumenten, Bildern und Texten, in
der sie unterschiedlichste Erzählungen und Sichtweisen zusammenführt.
Laura Horellis Ausstellung in der Galerie im Taxispalais ist
die erste Personale der finnischen Künstlerin in Österreich.
Sie wurde 1976 in Helsinki geboren und lebt in Berlin.