Ernst Caramelle zählt zu den bedeutenden Vertretern der internationalen Konzeptkunst.
In seinen Arbeiten reagiert er auf so unterschiedliche Medien wie Zeichnung, Wandmalerei,
Installation, Fotografie, Video und auch Sprache. Dabei erforscht er einen Angelpunkt der
Kunst: Das Verhältnis zwischen der Idee und dem künstlerischen Produkt. Caramelles
konzeptuelles Arbeiten ist darauf ausgerichtet, durch ganz unterschiedliche Perspektiven,
die er auf gedanklicher, visueller, sprachlicher und technisch-materieller Ebene einbringt,
neue und dynamische Beziehungen zwischen den Dingen, den Begriffen, den Räumen,
den Bildern herzustellen.
In Caramelles Kunst geht es seit seinen Anfängen darum, produktiv Fragen zu stellen,
aber nicht, um darauf scheinbar richtige Antworten zu liefern. Vielmehr versucht er, das Feld
der Kunst offen zu halten im Sinne eines kognitiven Prozesses, in dem die Position des
Künstlers wie die des Beobachters ständig auf dem Spiel stehen, wie auch der Begriff des
Kunstwerks und der Kunst selbst. Es soll uns eine Sicht auf den − auch metaphorisch
gesprochen − blinden Fleck ermöglicht werden, der unserer Wahrnehmung und Erkenntnis
entgangen ist, und darum, Perspektiven einzubringen, die es ermöglichen, den Prozess des
Beobachtens selbst zu reflektieren. Caramelle geht dabei von präzisen Ideen und Konzepten
aus, für deren Formalisierungen er ein offenes System entwickelt hat, das es ihm erlaubt,
unterschiedliche Kontexte zu untersuchen, diese zu verschieben, oft auch ironisch zu
hinterfragen und dadurch wieder neue Beziehungsgeflechte herzustellen.
Nachdem Ernst Caramelle 2006 in einer großen Schau im Landesmuseum Ferdinandeum
„alle drucksachen 1974 – 2006“ gezeigt hat, setzt er sich hier konzeptuell mit den Räumen
der Galerie im Taxispalais auseinander. Er gestaltet für die Galerie Raum bezogene Wandmalereien,
die er über zwei Geschoße zieht.
Wandmalereien werden zumeist für einen Ort gemacht, an dem sie auch wieder zu verschwinden
haben, nämlich unter einer neuen Schicht von Malerfarbe, mit der ein Ausstellungsraum
wieder in seinen alten Zustand versetzt wird. Diese Wandbilder, die in einem
zeitlich aufwändigen Verfahren entstehen – Wasserfarbe wird an der Wand aufgetragen
und dann teilweise wieder herunter gewaschen – nehmen bestimmte strukturelle Vorgaben
des Raumes auf. Mit seiner Feststellung „(Proportionen beflügeln die Ideen)“ bezieht sich
Caramelle jedoch nicht nur auf die Maße der Räume, sondern auch auf einen weiteren
wichtigen Faktor seiner Arbeit, die Proportionen von Zeiträumen, die hier zum Tragen
kommen.
Denn dem Prozess des Entstehens seiner konzeptuellen Malerei steht das Verschwinden
gegenüber, das Caramelle gezielt als strukturelles Element in seine Arbeit einbringt. In
diesen Prozess einbezogen sind dann auch Formen der Dokumentation der Wandmalereien,
die einen konzeptuellen Teil der Arbeit bilden. Für die Wandmalerei in der Galerie im
Taxispalais produziert Caramelle eine Publikation in Form eines Leporellos.
Einen weiteren Raum wird Caramelle gemeinsam mit Monika Schwitte gestalten, die in einer
parallelen Ausstellung ihre Filme zeigt. Hier präsentiert er Projektstudien, Zeichnungen,
gesso-pieces (Quasimalereien) und eine neue Videoarbeit.
Ernst Caramelle wurde 1952 in Hall in Tirol geboren. Er lebt und arbeitet in Frankfurt, New
York und Karlsruhe, wo er an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste lehrt.
Zur Ausstellung erscheint eine Publikation.
Öffnungszeiten
Di-So 11-18, Do 11-20 Uhr
Eintrittspreise
€ 3,- / € 1,50, Sonntag freier Eintritt
R&W Kunstvermittlung
T +43 512 57 42 57 | F +43 512 57 42 57-4
kunstvermittlung@rath-winkler.at
Informationen
Mag. Karin Jaschke, Presse und Öffentlichkeit
Dr. Silvia Eiblmayr, Leiterin
T +43 512 508 3171
F +43 512 508 3175
karin.jaschke@tirol.gv.at
www.galerieimtaxispalais.at |


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