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Katerina Sedá,
Kazdej pes, jiná ves – Hauptdiagramm,
2007 |
Das Prinzip von Katerina Sedás Arbeitsweise besteht darin, dass sie sich selbst ins Spiel
bringt, um zusammen mit anderen einen künstlerischen Prozess oder eine Aktion in Gang
zu setzen, die sie dann in unterschiedlichen Medien umsetzt und festhält.
In dem umfassenden Projekt „Je to jedno“ („Es ist alles egal“, 2005 – 2007) widmet sich die
Künstlerin ihrer Großmutter Jana Sedá, die nach einem arbeitsreichen Leben völlig inaktiv
geworden war, die Lust an jeder Tätigkeit verloren hatte und auf jede Aufforderung oder
Frage nur eine Antwort gab, „Es ist alles egal“. Sedá begann mit ihr zu arbeiten, mobilisierte
ihre Erinnerung an ihre frühere Tätigkeit in einer großen Brünner Eisenwarenhandlung und
brachte sie so weit, dass ihr 650 verschiedene dort geführte Artikel inklusive deren Preis
wieder einfielen. Sedá animierte sie daraufhin, diese Artikel aufzuzeichnen und auch zu
benennen. Auf diese Weise zeichnete die Großmutter mit ganz eigenem Strich und großem
Gespür für die zeichenhafte Charakteristik der Dinge insgesamt 176 Gegenstände, viele
davon seriell auf einem Blatt, gemäß deren unterschiedlichen Handelsgrößen. Es war eine
Arbeit, die ihr Freude machte und sie aus ihrer Lethargie holte. Die Ausstellung zeigt eine
Auswahl von 50 dieser Zeichnungen und ein dazu gehörendes langes Interview, das die
Künstlerin mit ihrer Großmutter geführt hatte.
In der Arbeit mit dem Titel „Vnucka“ („Enkelin“, 2006 – 2007) setzte Sedá die Arbeit mit
ihr mit neuen Aufgaben fort. So stellte sie drei verschiedene Serien von Fragebögen
zusammen, die sie mit der Großmutter im Lauf eines Jahres durchging. „1 x denne pred
jídlem“ („1x täglich vor dem Essen“) ließ sie die Großmutter eine dieser Fragen schriftlich
beantworten. Insgesamt zeigt die Ausstellung 50 solcher ausgefüllter Fragebögen. Die
Zeichnungen und Fragebögen sind ein letztes und bleibendes Zeugnis von Jana Sedá,
die Anfang 2007 starb.
In dem Projekt „Kazdej pes, jiná ves“ (wörtlich: „Jedem Hund ein anderes Dorf“, 2007)
nahm sich Sedá einen ganzes Wohnviertel zum Objekt ihrer Aktion, die Plattenbausiedlung
Nová Lísen in ihrem Heimatort Brno-Líše?, deren Häuser kurz zuvor in Pastellfarben neu
gestrichen worden waren.
Das Titel gebende tschechische Sprichwort sagt aus, dass die Menschen in dieser Siedlung
sehr isoliert voneinander leben. Sedá nimmt das abstrakte Moment der industriellen Uniformität der Bauten auf, um gerade
über die Stereotypie einen Prozess zur Individualisierung in Gang zu setzen. Sie lässt für
tausend dort wohnende Parteien tausend Hemden produzieren, für die sie ein Stoffmuster
entwarf, das − in direkter Anlehnung an textile Karos − die bunten Plattenbauten im Rapport
zeigt. Nach einem von ihr erstellten formalistischen Diagramm, das auf dem Grundriss der
Siedlung basiert, ordnet sie jeweils zwei Parteien einander zu, um dann jeder ein Hemd mit
der anderen Familie als Absender zuzuschicken. Eine mögliche Kontaktaufnahme ist damit
in Gang gesetzt, in die Sedá aber nicht persönlich involviert ist. Sie führt die Regie, zieht sich
aber selbst zurück und überlässt den Dingen ihren Lauf.
Die Arbeit ist als Rauminstallation konzipiert, zu der 40 Zeichnungen und Diagramme und
auch eine Anzahl der Hemden gehören; weiters zu sehen sind Reaktionen auf das Projekt
und eine Videodokumentation. Teile des Projekts wurden im Sommer 2007 auf der
documenta 12 in Kassel gezeigt.
Katerina Sedá wurde 1977 in Brünn geboren, sie lebt in Brünn und Prag.
Dank an
Franco Soffiantino Arte Contemporanea, Turin |
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