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Heidrun Holzfeind,
C.U. (Mexico City, August 2006),
Diainstallation,
2007 |
Die Ausstellung versammelt eine Reihe von Arbeiten, die Heidrun Holzfeind seit 2005 in
Mexiko-Stadt verwirklicht hat. Die Künstlerin verbindet hier ihr Interesse an modernistischer
Architektur mit ihrer Annäherung an ein bedeutendes historisches Ereignis, die Studentenbewegung
von 1968 in Mexiko, die eine ganze Generation geprägt hat.
In einer Dia-Installation mit dem Titel C.U. (Mexico City, August 2006) zeigt Holzfeind in einer
Doppelprojektion 125 Fotos, die sie von der Ciudad Universitaria, dem zentralen Campus der
UNAM (Universidad Nacional Autonoma de México, die wichtigste Universität Lateinamerikas)
gemacht hat. Der Campus wurde 1950-52 unter der Leitung der Architekten Mario
Pani, Enrique del Moral und Carlos Lazo gebaut und 2007 von der UNESCO als „eine der
wichtigsten Ikonen in Architektur und Städtebau ganz Lateinamerikas“ und als „exemplarischer
monumentaler Baukomplex der Moderne des 20. Jahrhunderts“ zum
architektonischen Weltkulturerbe erklärt. Die Bauten verbinden modernistische Prinzipien
und Materialien wie Stahl, Glas und Sichtbeton mit Bezügen zur traditionellen Architektur und
Geschichte Mexikos, die auch in großen Wandmalereien und Mosaiken ihren Ausdruck
finden. Die Aufnahmen zeigen Innen- und Außenansichten der verschiedenen
Fakultätsgebäude, architektonische Details, leere Gänge und Klassenräume, Innenhöfe,
Park- und Sportanlagen. Die Wahl der Ausschnitte, die Nähe und der Blick auf Details
zeichnen ein intimes und leicht melancholisches Portrait der Universitätsstadt.
Mexico 68, die zweite von Holzfeind gezeigte Arbeit, besteht aus acht Video-Interviews. In
einer intensiven Recherche hat die Künstlerin Interviews mit insgesamt 19 ProtagonistInnen
der Studentenbewegung von 1968 in Mexiko gemacht. Die Videos haben eine von der
Galerie im Taxispalais in Auftrag gegebene deutsche Untertitelung.
1968 hatte sich die politische Forderung nach Demokratisierung zu einer großen Protestbewegung
ausgeweitet, die die meisten Hochschulen und auch Schulen erfasste und die
auch von Eltern, Professoren, Lehrern, Intellektuellen und Künstlern unterstützt wurde.
Kurz vor Eröffnung der Olympischen Spiele in Mexiko-Stadt wurde die Bewegung von der
Regierung mit Waffengewalt niedergeschlagen; es kam zu einem Massaker auf dem Platz
der Drei Kulturen im Stadtteil Tlatelolco, bei dem Militär und Polizei auf die Teilnehmer einer
friedlichen Kundgebung schossen. Viele wurden getötet, tausende verhaftet.
Zahlreiche Studentenführer und Intellektuelle − darunter einige der von Holzfeind
Interviewten − waren fast drei Jahre lang in dem legendären Lecumberri-Gefängnis inhaftiert.
Dieses Gefängnis, das 1980 aufgelassen wurde und das heute das Nationalarchiv Mexikos
beherbergt, hat Holzfeind fotografiert. Sie zeigt Aufnahmen des ehemaligen Gefangenentraktes,
in dem die politischen Gefangenen der Studentenbewegung untergebracht waren.
Die Anlage, nach dem Vorbild eines „Panoptikums“ mit zentralem Wachturm gebaut,
ermöglichte die totale Überwachung der Gefangenen, Tag und Nacht.
Ergänzt wird Mexico 68 durch Archivmaterial, das die Kundgebungen und Versammlungen
der Studentenrevolte dokumentiert.
Die Interviewtexte sowie die C.U.-Fotoserie erscheinen 2008 in einem zweibändigen, in
Mexiko produzierten Künstlerbuch.
Heidrun Holzfeind wurde 1972 in Lienz geboren. Sie lebt und arbeitet in New York.
Künstlerbuch (engl. / span.)
Heidrun Holzfeind, CU / 68
Band 1 (CU): ca. 140 Seiten, ca. 120 Farbabb.
Band 2 (68): ca. 400 Seiten
erscheint 2008 im Verlag A&R Press, Mexiko |
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