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Reine Malerei versucht die Welt des Sinnlichen mit dem Pinsel zu
beschreiben ö eine Erfahrung von Welt vorzustellen, die sich als
Entität behaupten kann und gleichzeitig ein Spiegel der Komplexität
sinnlicher und spiritueller Ausdrucksmöglichkeiten ist. Ihre
Spannkraft umkreist dabei das Bild als Medium, affirmiert, stellt
in Frage oder distanziert sich vom Bildbegriff.
Eva Wagner entwickelt das Bild von innen heraus: lasierende und
transparente Farbschichten überlagern sich und lassen konkret
Gegenständliches verschwimmen. Eine "neue Welt" entsteht
im Schaffensprozess des Bildes, dessen Anagogie keinen Schlusspunkt
kennt. Ahnungen von Realität korrespondieren mit einem flüchtigen
Schleier von Gedanken. Was bei Nahsicht scheinbar konkret ist, verunklärt
sich letztendlich wieder in den Schemen abstrakter Erinnerung.
Für Ahmet Oran ist die Oberfläche der Leinwand Austragungsort
malerischer Gefechte. Opake Oberflächen setzen teilweise ihre
Schichten bewusst bloss und machen eine Konstitution des Bildes
zum Thema. In paradoxer Weise leuchten obere Schichten vor dunklem
Hintergrund, es entsteht ein Eindruck des Schwebens. Das Bild scheint
seines Kernes beraubt und manifestiert sich als reine Malerei: eine
Faktizität reiner Farbe, die der Realität einer "Bildoberfläche"
nicht mehr bedarf.
In ähnlicher Weise hat Udo Nöger das Bild seiner vordergründigen
Materialität beraubt. Seine Farbnuancen in Weiss und Grau schimmern
durch mehrere Schichten von Leinwand, durch eine faktische Tiefe
des Bildes. Dazwischen fängt sich das Licht wie in Kammern
und scheint dem Bild eine Luminosität von innen heraus zu geben.
Das Licht wird hier als Materie eingefordert. Die Wesensgleichheit
von Farbe und Licht als sinnlich meditatives Schauspiel vor dem
Betrachter macht das Bild zum Kreuzungspunkt emanativer und absorbierender
Energien.
Diese Janusköpfigkeit des Bildes, seine materielle Existenz
und seine illuminierende Fläche ist auch ein Element in den
Arbeiten von Rudi Stanzel. Noch mehr sind sie bildhafte Skulpturen,
das Verschleiern taucht hier als konsequentes Einkleiden des Bildes
auf. Der mit Graphitpaste umhüllte Kern täuscht keinen
Raum vor, sondern ist durch Volumen vorgetäuschte Malerei,
die Grenzen der Gattung werden hier an ihr Äusserstes getrieben
und lösen sich gegen die Skulptur hin auf.
Fast als Antithese stellen sich daneben die Arbeiten von Martin
Schnur. Er verarbeitet Elemente des Films und der Werbung als fragmentarische
Versatzstücke.
Die Defizite sinnlicher Wahrnehmung in den modernen Medien legt
die Malerei hier offen. Sie fordert eine Jetzt-Zeit des Bildes,
die in den Repräsentationssystemen des modernen Lebens verloren
gegangen ist. So diametral zu den vorigen Arbeiten, lässt er
die Kontemplation nicht zu, sondern führt den irritierenden
Bruch als aggressive Möglichkeit zur Intervention vor. Diese
Bewusstwerdung einer scheinbar verlorenen sinnlichen Kongruenz kennt
die reine Malerei als einen ihrer letzten Orte.


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