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MALEREI PUR

Eva Wagner / Rudi Stanzel / Martin Schnur / Udo Nöger / Ahmet Oran

 KUNSTHANDEL FEICHTNER &
 MIZRAHI

  8. 3. - 20. 4. 2002

 

Vernissage: DO., 7. März 2002


Reine Malerei versucht die Welt des Sinnlichen mit dem Pinsel zu beschreiben ö eine Erfahrung von Welt vorzustellen, die sich als Entität behaupten kann und gleichzeitig ein Spiegel der Komplexität sinnlicher und spiritueller Ausdrucksmöglichkeiten ist. Ihre Spannkraft umkreist dabei das Bild als Medium, affirmiert, stellt in Frage oder distanziert sich vom Bildbegriff.

Eva Wagner entwickelt das Bild von innen heraus: lasierende und transparente Farbschichten überlagern sich und lassen konkret Gegenständliches verschwimmen. Eine "neue Welt" entsteht im Schaffensprozess des Bildes, dessen Anagogie keinen Schlusspunkt kennt. Ahnungen von Realität korrespondieren mit einem flüchtigen Schleier von Gedanken. Was bei Nahsicht scheinbar konkret ist, verunklärt sich letztendlich wieder in den Schemen abstrakter Erinnerung.

Für Ahmet Oran ist die Oberfläche der Leinwand Austragungsort malerischer Gefechte. Opake Oberflächen setzen teilweise ihre Schichten bewusst bloss und machen eine Konstitution des Bildes zum Thema. In paradoxer Weise leuchten obere Schichten vor dunklem Hintergrund, es entsteht ein Eindruck des Schwebens. Das Bild scheint seines Kernes beraubt und manifestiert sich als reine Malerei: eine Faktizität reiner Farbe, die der Realität einer "Bildoberfläche" nicht mehr bedarf.

In ähnlicher Weise hat Udo Nöger das Bild seiner vordergründigen Materialität beraubt. Seine Farbnuancen in Weiss und Grau schimmern durch mehrere Schichten von Leinwand, durch eine faktische Tiefe des Bildes. Dazwischen fängt sich das Licht wie in Kammern und scheint dem Bild eine Luminosität von innen heraus zu geben. Das Licht wird hier als Materie eingefordert. Die Wesensgleichheit von Farbe und Licht als sinnlich meditatives Schauspiel vor dem Betrachter macht das Bild zum Kreuzungspunkt emanativer und absorbierender Energien.

Diese Janusköpfigkeit des Bildes, seine materielle Existenz und seine illuminierende Fläche ist auch ein Element in den Arbeiten von Rudi Stanzel. Noch mehr sind sie bildhafte Skulpturen, das Verschleiern taucht hier als konsequentes Einkleiden des Bildes auf. Der mit Graphitpaste umhüllte Kern täuscht keinen Raum vor, sondern ist durch Volumen vorgetäuschte Malerei, die Grenzen der Gattung werden hier an ihr Äusserstes getrieben und lösen sich gegen die Skulptur hin auf.

Fast als Antithese stellen sich daneben die Arbeiten von Martin Schnur. Er verarbeitet Elemente des Films und der Werbung als fragmentarische Versatzstücke.

Die Defizite sinnlicher Wahrnehmung in den modernen Medien legt die Malerei hier offen. Sie fordert eine Jetzt-Zeit des Bildes, die in den Repräsentationssystemen des modernen Lebens verloren gegangen ist. So diametral zu den vorigen Arbeiten, lässt er die Kontemplation nicht zu, sondern führt den irritierenden Bruch als aggressive Möglichkeit zur Intervention vor. Diese Bewusstwerdung einer scheinbar verlorenen sinnlichen Kongruenz kennt die reine Malerei als einen ihrer letzten Orte.