Nach dem offiziellen Ende des kommunistischen Regimes in Bulgarien emigrierten viele bulgarische Künstler ins Ausland, um dort zu leben, zu studieren und zu arbeiten, da es in ihrem eigenen Land weder
einen signifikanten Kunstmarkt noch Sammler oder gar ein Museum für zeitgenössische Kunst gab.
Die Arbeiten von Künstlern aus zentral- und osteuropäischen postkommunistischen Ländern haben sich bis dato in der westlichen Welt nicht etablieren können, auch wenn sich ihnen gerade durch die Osterweiterung der EU sukzessive neue Plattformen bilden – eine davon ist das Wiener Siemens_artLab.
Ivan Moudov ist einer der wenigen, der es trotz der Krise der lokalen Kunstszene schätzt, in Bulgarien künstlerisch tätig zu sein. Von seiner Heimatstadt Sofia aus, erweitert er seinen Horizont durch Reisen in andere, vorrangig westliche Länder, um dort an Ausstellungen oder Workshops teilzunehmen. Seiner Meinung nach, ist eine starke Kunstszene unabdingbar, eine in sich geschlossene isolierte Kunstwelt ist für ihn kein Optimum.
Gäbe es in Sofia ein Museum für moderne Kunst, müssten bulgarische Künstler nicht ins Ausland gehen um (finanzielle) Anerkennung für ihre Arbeit zu erhalten, meint Moudov. Oberste Prämisse um adäquate Rahmenbedingungen für bulgarische Künstler zu schaffen, wäre eine Struktur, welche es diesen ermöglicht zeitgenössische Kunst zu kreieren –made in Bulgaria.
Im Jahr 2005 hat Ivan Moudov Journalisten, Diplomaten und Kunstschaffende hinters Licht geführt, als er die Eröffnung des Museum for Contemporary Art, Sofia in der Poduene Train Station inszenierte. Durch diese Aktion und Interaktion mit der lokalen Kunstszene wurde die Diskussion über die Notwendigkeit eines Sofia Museum of Modern Arts in Gang gesetzt, damit Bulgarien den Vorreitern Rumänien und Mazedonien auf diesem Sektor, nachfolgen kann. Zu dem Eklat, den er durch diese Irreführung verursachte, hatte er nur eines zu sagen: “The scandal is that there is no museum of contemporary art in Sofia, not that 200 people lost half an hour of their lives in showing support for a project that they are all evidently interested in” (zitiert nach Sean Hicks, The Sofia Echo, Mai 2005)
Ivan Moudov konstruiert seine Rolle als kultureller Reisender mit der Impertinenz eines bulgarischen Borats (Sascha Baron Cohens Alterego). Durch Provokationen, die er mit seinen Kunstinterventionen hervorruft, hinterfragt er nicht nur die Mechanismen der weltweiten Kunstszene, sondern auch seine eigene Identität als Künstler- aus Moudovs Perspektive (was sich in seiner Arbeit widerspiegelt) ist niemand unschuldig –weder die Öffentlichkeit, die Künstler, noch die Institutionen. Seine Positionierung bleibt unklar –ob für den „Osten“ und gegen den „Westen“, für oder gegen das System. (zitiert nach Dessislava Dimova, The Cultural Learnings of Ivan Moudov)
Der Ausstellungstitel Already made klingt wie „all ready-made“ und birgt vielfache Interpretationsmöglichkeiten, bezogen auf die Rolle des Objekts in der globalen Welt des Konsums, in sich.
Das Fertigprodukt „Kunst“ bezieht sich auf die in den 60ern und 70ern des 20.Jahrhunderts entstandene „Dematerialisierung“ dieser- seit dem nicht mehr das Werk an sich, sondern der Name des Künstlers und dessen Signatur im Vordergrund steht. Already Made 1 zeigt zwei Dosen, die Ivan Moudov an der türkischen Küste gefunden hat und auf denen noch die Logos zweier konkurrierender Global Players fragmentarisch zu erkennen sind. Leitungswasser, in Flaschen mit speziellen Labels abgefüllt, wird zu etwas Besonderem- dies stellt Already Made 2 dar. Diese und weitere Werke werden mit „Self Portraits“ abgeschlossen, welches den Zyklus eines Kaffeesuds, interpretiert von einem professionellen Wahrsager, darstellt.
„Wine for Openings #2“ wurde extra für die Galerie Hilger und das Siemens_artLab produziert und soll laut der Kuratorin der Ausstellung, Iara Boubnova, Kunstinteressierte und Kunstschaffende näher zusammen bringen. Dies ist ein Ritual, das es ermöglicht, grenzüberschreitend guten bulgarischen Cabernet Sauvignon Rotwein zu genießen und dabei über Kunst zu sinnieren. (zitiert nach Iara Boubnova, 2007)
Ivan Moudov
Geboren 1975 in Sofia, Bulgarien
Ausbildung:
2002 – MA, National Academy of Arts, Sofia, Department of Mural Painting
Ausgewählte Einzelausstellungen:
2007-
52° Biennale di Venezia, Bulgarischer Pavillion, Venedig
2006-
I (ICH) An exhibition in three acts, Performative Ontology, Secession, Wien
Wild Capital, Kunsthaus Dresden, Dresden
Lebt und arbeitet in Sofia |
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